Barbinger Perspektiven

Elektrische Zukunft

Barbinger Perspektiven: Martin Brüll über Elektromobilität
Foto: Matthias Kampmann (mk/Grüne OG Barbing) | Das E-Auto wird gewinnen, erklärt Dr. Martin Brüll

Martin Brüll belegt eindrucksvoll, warum es zum Strom keine Alternative gibt

Barbing (mk). Strom bewegt uns und wird uns bewegen. Dieses Fazit ist das Takeaway vom Vortrag von Martin Brüll in der Reihe „Barbinger Perspektiven“ vor gut 30 interessierten Bürger:innen vom Donnerstag, 18. Juni 2026. Der promovierte Astrophysiker und Antriebsforscher aus der Automobilbranche belegte eindrucksvoll im Agendaraum über der Barbinger Bücherei: Das Verbrenner-Aus ist programmiert. Das sind keine parteigrünen Spinnereien, sondern gerechnete Fakten. „Der High-Tech-Verbrenner wird’s nicht werden“, prophezeite Brüll. Kurzweilig, humorvoll und angefüllt mit geballtem Fachwissen gab Brüll spannende Einblicke in die E-Mobilität. Und er half dem eingerosteten Wissen über physikalische Größen wie Watt, Kilowattstunde oder Joule auf die Sprünge.

Derzeit erzeugt die fossile Mobilität 20 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes. Gesetzliche Vorgaben verpflichten Automobilhersteller noch nicht zur vollständigen Umstellung. Diese dürfen ihr CO2-Konto mit Blick auf die verkauften Einheiten, kurz mit ihrer Flotte, ausgeglichen halten. Sonst hagelt’s Strafzahlungen. Damit man Verbrenner verkaufen kann, rechnen Hersteller elektrische Fahrzeuge einfach nur gegen, statt sie gezielt zu vermarkten. Das aber sind verordnete Grenzen, die man mit zukunftsorientiertem Marketing und entsprechenden Kapazitäten ausnahmsweise mal nicht einhalten muss. Konzerne könnten umweltbewusst mit gutem Beispiel vorangehen und Kundensignale wahrnehmen, um mehr als nur Grenzwerte einzuhalten. Denn die Nachfrage steigt. Im Showroom heißt es dann: Fahrzeug nicht verfügbar. Eine Unterlassung mit Folgen fürs Klima und die Kund:innen, obwohl derzeit ein Viertel der deutschen Neuzulassungen Elektrofahrzeuge sind. Es gibt also eine Diskrepanz zwischen Zulassung und Flottenbestand, weil die entsprechenden Anreize nicht durch angemessenes Verhalten der Player im Markt gesetzt werden. Und währenddessen sind andere Länder plötzlich im technischen wie marktmäßigen Vorteil.

Dabei, das machte der Vortrag von Martin Brüll evidenzbasiert deutlich, sind das Festhalten am Verbrenner oder die Wasserstoffträumereien längst verlorene aber immer noch geheiligte, aber unheilige Kühe. Also: Umsteigen jetzt, packen wir’s gemeinsam an. Denn auch für Verbraucher ist Reichweitenangst mittlerweile ein Fremdgefühl. Es gibt mehr als 47.000 Ladeorte mit insgesamt gut 160.000 Ladepunkten: Tendenz steigend. Bei abnehmender Zahl an Tankstellen übrigens. Das Laden selbst läuft ebenfalls schneller, die Technologien haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Aktuell sind etwa gleich viele Ladeorte fürs DC-Schnellladen am Markt wie Tankstellen. Das Verhältnis kippt gerade. Martin Brüll weiß: „Aktuelle Langstreckenfahrzeuge laden mit einer Geschwindigkeit, die einer Distanz von 800 Kilometern in einer Stunde entspricht.“ Das bedeutet, dass man in einer Viertelstunde die nächsten 250 Kilometer für Autobahnfahrten oberhalb der Richtgeschwindigkeit aufladen kann. „Ein Besuch bei Sanifair, und weiter geht’s – das Schlangestehen fürs Bezahlen von Benzin und das Händewaschen nach dem Tanken fällt weg.“ Außerdem: Die E-Autos sind leiser.

Wenn die Energieunternehmen einmal nicht konzernstrategisch, sondern verantwortungsvoll agieren würden, wäre bidirektionales Laden längst an der Tagesordnung und würde neben der Verbesserung der Umweltbedingungen durch Dezentralität auch noch mehr Widerstandskraft in die Netze geben. Aber klar, das Modell ist schlecht für die Beitreiber der öffentlichen Ladeorte, denn zumeist wird daheim geladen. Und ein energetisch klug geplantes Haus mit positiver Erzeugerbilanz ist ein Ärgernis für Energieunternehmen. Hier ist die Politik gefragt, denn die Konzerne selbst agieren an den Wünschen der Bürger:innen vorbei und diktieren ihnen den Zwang des Status quo auf. Man könnte daher fragen: Wann endlich handeln die Verantwortlichen für diesen Steinzeit-Status-quo im Sinne der Menschen, die hier leben? Martin Brüll hat mit seiner unaufgeregten Vortragsweise und der hervorragenden Vermittlungskompetenz bewiesen, wie erfolgreich E-Mobilität jetzt schon ist. Wenn Automobilität überhaupt eine Zukunft hat, das war nach knapp über 90 Minuten klar, dann ist sie elektrisch. Folgefrage für uns alle: Was können wir also hier in Barbing tun? Wir bleiben dran!